Schnittkonstruktion für Anfänger: ein Schnittmuster für ein sommerliches Jersey-Kleid selber konstruieren

Die große Prinzessin liebt Kleider. Kleider und Röcke. Nur unter Androhung von schwerster Strafe ist sie bereit, eine Jeans anzuziehen. Das kann ich gar nicht verstehen. Aber die Leute sind verschieden.

Für die kleine Prinzessin habe ich ein kurzes Sommerkleid. Heute zeige ich euch, wie man das Schnittmuster für dieses Kleid aus einem Shirtschnitt nachbaut. Nach meiner Anleitung kannst du sowohl ein Schnittmuster für ein Kinderkleid konstruieren, als auch ein Kleid in normalen Damengrößen. – Los geht´s!

einen einfachen Kleiderschnitt konstruieren, ein Schnittmuster für ein Sommerkleid selber machen
Ich hatte ein Kleid als Vorlage und einen Shirtschnitt als Ausgangspunkt, den habe ich abgeändert, um das Schnittmuster für das Kleid in einer anderen Größe nachzubauen.

1. Um den Schnitt nachzubauen brauchst du:

  • Ein Shirtschnitt (diesmal brauchst du nicht mal einen Ärmel, ich nehme wieder meinen Shirtshirtschnitt, weil der gerade greifbar ist und die richtige Größe hat)
  • Ein Maßband (wäre gut, aber ein langes Lineal würde auch gehen)
  • Großes Papier (für das fertige Schnittmuster)
  • Klebeband/Kleber
  • Papierschere
  • Bleistift
ein Schnittmuster für ein Sommerkleid konstruieren
Als Vorlage verwendest du das Vorderteil und das Rückenteil eines Schnittmusters für ein schlichtes Shirt.

2. Wie fängt man nun am besten an?

Die Liste auf meinem inneren Notizzettel sieht so aus:

  1. Shirt verlängern
  2. Gummiband einzeichnen
  3. Saum aufdrehen
  4. Überschnittene Schulter anzeichnen
  5. Aufschlag am Ärmelsaum
  6. Halsloch einfassen
ein Schnittmuster für ein Sommerkleid konstruieren, ein Schnittmuster selber machen
So veränderst du das Schnittmuster. Was ist einfacher zu verstehen, die Beschreibung oder die Bilder?

Und alles verstanden? Gut, dann viel Spaß beim Nähen und du brauchst den Artikel nicht zu Ende lesen…

Wenn nicht, keine Angst. Jetzt kommt die:

3. ausführliche Anleitung zum Nachzeichnen

  1. Dein Shirtschnitt sollte die Größe haben, in der das fertige Kleidchen sein soll. Du brauchst das Vorderteil und das Rückenteil. Am besten markierst du, wo sich die Taille befindet. Die Linie brauchst du, um später die Position des Gummis einzuzeichnen.
  2. Jetzt verlängerst du das Schnittteil. Bis zur Mitte des Oberschenkels würde ich sagen. (Die Länge eines Kleidungsstückes misst man immer an der hinteren Mitte. Vorne können die Ausschnitte zu unterschiedlich tief sein. Das verfälscht die Messung. Eine kurzes Kleid in Größe 128 wäre dann etwas 64,6cm lang, eine Größe 140 76,6cm, eine Größe 38 etwa 85cm – ja, du kannst nach der gleichen Anleitung auch ein Schnittmuster für ein Frauenkleid zeichnen. Im Großen und Ganzen ist der Ablauf der Gleiche. Dass was anders ist, zeige ich in einem späteren Artikel.)
  3. Hast du die Position der Taille markiert? Wenn nicht markierst du sie so: miss an der hinteren Mitte, vom Halsloch nach unten 30,4 cm für eine Größe 128 (33,2cm für eine Größe 140, 46cm für Größe 38) ab. Jetzt addierst du noch 2cm (für die Kindergrößen, diese 2cm machen, dass der Gummi an der richtigen Stelle sitzt und dort auch sitzen bleibt!) dazu. Dann zeichnest du im rechten Winkel zur hinteren Mitte eine Linie bis zur Seitennaht. Leg das Vorderteil Seitennaht an Seitennaht. Übernimm die Markierung. Auf diese Linie kommt später der Gummi.
  4. „Den Saum aufdrehen“: jetzt musst du die Schnittteile am Saum etwas aufdrehen, damit du mehr Weite bekommst. Merksatz: wo du die zusätzliche Weite am Papierschnitt dazugibst, ist sie auch später am fertigen Teil! Das Kleid soll gar nicht so unendlich weitschwingend werden. Einfach nur locker und sommerlich. Deshalb sage ich so über den Daumen plus 10cm. (10cm am Vorderteil + 10cm am Rückenteil x2, weil die Schnittteile später im Stoffbruch zugeschnitten werden = das sind zusammen 40cm Mehrweite, vielleicht ist das schon zu viel. Aber, das werden wir sehen.) Zuerst drehe ich das Vorderteil auf: die Hälfte von 10cm (=5cm) zeichne ich an den Saum an der Seitennaht: Achtung, Fehlergefahr! Auf gar keinen Fall einfach die Punkte verbinden. Dann hängen am fertigen Kleid zwei traurige Zipfel an den Seitennähten runter. Wenn du einen gleichmäßigen Saum willst, musst du es so machen: einen Kreisbogen mit 5cm Radius um die Ecke zeichnen. Miss, wie lang die Seitennaht vorher war, und trage diesen Betrag vom Armloch aus nach unten ab. Der neue Punkt liegt ein bis zwei Zentimeter oberhalb der ursprünglichen Saumlinie. Von diesem neuen Punkt zeichnest du den neuen Saum mit einem schönen Bogen in Richtung vordere Mitte. Fehlen noch weitere 5cm. Achtung, wieder Fehlergefahr! Vergiss die vordere Mitte. Niemals an der vorderen Mitte zusätzliche Weite anzeichnen! (oder an der hinteren Mitte) Das Kleidungsstück kommt völlig aus dem Lot! Diese 5cm kommen zwischen die Seitennaht und die vordere Mitte: zeichne zwei Linien von der Schulternaht bis zum Saum, so dass die Fläche vom Vorderteil ungefähr in drei gleichgroße Bereich aufgeteilt ist. Diese beiden Linien schneidest du vom Saum aus mit der Papierschere bis kurz(=1 bis 2cm) vor der Schulter auf. Streich das Papier glatt. Beide Schlitze schiebst du jetzt am Saum um jeweils 2,5cm auseinander. Am besten fixierst du die Schnittteile mit reichlich Kleber. – Das war das Vorderteil. Mit dem Rückenteil machst du genau das Gleiche!
  5. Die überschnittene Schulter – das fertige Kleid hat keine Ärmel. Aber die Schulternaht ist verlängert, so dass eine „überschnittene“ Schulter entsteht. Das musst du bei beim Vorderteil und beim Rückenteil machen: verlängere die Linie von der Schulternaht um 3,5cm. Das Armloch musst du in der oberen Hälfte neu auszeichnen. Mach einen schönen Bogen vom neuen Schulterpunkt ungefähr bis zur halben Höhe des Armloches.
  6. Damit das Kleid nicht ganz so schlicht ist, gibt es ein kleines Detail: der kleine Aufschlag am Armloch. Hast du das Armloch fertig ausgezeichnet? Von dem fertig angenähten Aufschlag sind 2cm Stoff sichtbar. Der Stoff liegt doppelt plus Nahtzugabe – er hat also eine Breite von 6cm. Miss das neue Armloch nach. Wie groß ist der Umfang des Armloches? Dieser Wert ist die Länge deines Stoffstreifens. Der Stoffstreifen wird später quer zum Fadenlauf zugeschnitten.
  7. Noch ein Stoffstreifen, um das Halsloch einzufassen: miss (am Vorderteil und am Rückenteil zusammen, mal 2) wie groß dein Halsloch ist. Dieser Wert ist die Breite des Stoffstreifens. Vom Stoffstreifen sind 1,5cm sichtbar, der Stoff liegt doppelt plus die Nahtzugaben – der Stoffstreifen ist also 5cm hoch. Der Stoffstreifen wird später quer zum Fadenlauf zugeschnitten.
  8. Wenn du den Schnitt nicht nur einmal verwenden willst, solltest du ihn kopieren (oder wirklich großzügig kleben). Sonst kringeln sich die Papierstücke in alle Richtungen.

 

einen einfachen Kleiderschnitt selber machen, ein Schnittmuster für ein Sommerkleid konstruieren
Womit wir wieder beim Anfang wären: das Schnittmuster ist fertig. Das Mittagsschläfchen ist vorbei. Den Rest der Anleitung habe ich unter erschwerten Bedingungen gezeichnet und geschrieben…

So sieht es aus. Das ist das fertige Schnittmuster. Ob alles richtig ist, erfährst du erst, wenn du ein Probeteil nähst.

Und wie du das Kleid zusamen nähst, erfährst du in diesem Artikel „die Nähanleitung für das Kinderkleid“.

Es gibt jetzt auch einen eigenen Beitrag, in dem ich beschreibe, wie die ärmellosen Armlöcher (Link) verarbeitet werden.

Das war´s für heute,

bis bald,

Andrea


Hast du das Prinzip verstanden, nachdem ich das Schnittmuster zusammengestellt habe? Dann viel Spaß beim Nachbauen!

Oder, wenn dir das gerade zuviel Arbeit macht, das fertige Schnittmuster für das einfache Kinderkleid gibt es auch als ebook zum Selberausdrucken für die Größen 98-164. Du findest es in meinem Shop bei Dawanda (Link zum ebook) und bei Etsy (Link zum ebook).

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